Sulamith

Es gibt da diese Frau, sie arbeitet in der Bibliothek, wo ich regelmässig Lesefutter besorge. Unsere Begegnungen waren flüchtig, mal ein "Hallo" und ein paar Worte, mehr war zuvor nie und doch waren diese Begegnungen mit ihr immer etwas Besonderes. Es waren jedes Mal kurze Glücksmomente. Sulamith strahlt bei jeder Begegnung, eine besondere Wärme geht von ihr aus. Sie hat etwas in ihren Augen, was mich neugierig machte. Also fragte ich sie, ob sie Lust hätte, Kafi und mich zu treffen, um ein Porträt für Tribute zu machen.

Als sie zusagte, schrieb ich ihr: „Ich kenne Dich kaum und doch freut es mich jedes Mal uh, wenn ich Dich sehe. Du hast eine Wärme in Deinen Augen, die Tiefe ausstrahlt, irgendwie besonders … mich interessiert sehr, was dahinter steckt. Ich fühle mich immer, wenn ich Dir begegne, etwas glücklicher. Diese besondere Ausstrahlung, was steckt dahinter? Was ist Dein Lebensglück? Aber auch: Was ist schwierig, und welche Strategien hast Du, damit umzugehen? Wo und wie tankst Du Kraft?“

Sulamith schrieb mir, wie sie ihre Kindheit erlebte, die nicht immer einfach war. Beschrieb, wie sie in jungen Jahren eine Tochter bekam, die Beziehung zum Vater aber leider zerbrach, und wie sie bald darauf ihren heutigen Mann kennenlernte und mit ihm eine weitere Tochter bekam.

Auf die Zeilen, die nun folgten, war ich nicht gefasst:

„Das einschneidendste und traumatischste Jahr für mich war 2007. Anfangs 2007 hat sich meine Mutter das Leben genommen. Und obwohl das über die Jahre immer wieder ein Thema war, so ist man dann doch überhaupt nicht gefasst, es hat mich sehr erschüttert und tut es bis heute (und wohl bis ewig) immer wieder. Kurz nach ihrem Tod bin ich erneut schwanger geworden, ich sah dies als positives, lebensfrohes Zeichen. Allerdings ist Martha (geb. 2007), meine dritte Tochter, ganz überraschend an ihrem 10. Lebenstag gestorben. Dieser Tod hat mir für lange Zeit total den Boden unter den Füssen weggezogen. Meiner Intuition (und dies ist ein wichtiger Punkt für meine Lebenskraft) hab ich es zu verdanken, dass ich wie „automatisch“ vieles unternommen habe, um Marthas Tod zu verarbeiten. Nichtsdestotrotz sind der Tod Marthas und der Tod meiner Mutter die beiden Schicksalsschläge, die mich bis heute manchmal sprachlos und zum Zerbersten traurig machen.

Diese beiden Erlebnisse aber so gesund „überlebt“ zu haben, gibt mir auch eine enorme Kraft für meinen Alltag. Überhaupt geben mir die beiden Verstorbenen Kraft (tönt jetzt vielleicht eigenartig, aber ich fühle es so)."

Beim Lesen dieser Zeilen wurde mir klar, warum ihr Blick so viel Tiefe ausstrahlt und zugleich so warm ist. Tief berührt über diese Geschichte und ihre Offenheit mir gegenüber, traf ich sie am nächsten Tag zusammen mit Kafi zum Kaffee.

Als ich sie fragte, was sie damit meine, "sie habe vieles automatisch unternommen, um den Tod ihrer Tochter Martha zu verarbeiten", beschrieb sie uns, wie es war, als das Unvorstellbare plötzlich passierte. Wie sie ihre Tochter vom Spital nach Hause nahm und mit ihr einfach vier Tage im Bett lag. Wie sie neben ihr lag, geschockt und unfassbar traurig. Freunde und Familienangehörige kamen und nahmen Abschied, ihr Mann machte instinktiv ganz viele Fotos (etwas, wofür Sulamith heute sehr dankbar ist). Sie hat sich dem unglaublichen Schmerz einfach voll und ganz hingegeben. Tage, Wochen und Monate... Als sie wieder ein bisschen Kraft hatte, holte sie sich ganz viel Hilfe. Sie fand Unterstützung in Gesprächen mit ihrer Familie und den Freunden, aber auch durch Fachpersonen und in Gesprächen mit Müttern, die auch ein Kind verloren haben. Ihr intuitives Gefühl dafür, was ihr gut tut, half. Alles, was sie in dieser Zeit tat, half ihr, Wege zu finden, mit dem riesigen Verlust umzugehen.

Wann kommt nach so einem schlimmen Verlust der Alltag zurück?
Sulamith beschreibt den Moment des ersten Lachens nach dem Tod von Martha als schön und schmerzhaft zugleich. Sie fragte sich: Darf ich das überhaupt? Glücksmomente haben? Lachen? Doch langsam schlichen sich immer mehr Glücksmomente zurück in ihr Leben, am stärksten durch ihre Kinder.

Sulamith dazu:
"Im 2009 habe ich meine vierte Tochter Selma geboren. Sie und meine beiden grossen Töchter Mina und Uma gaben und geben mir sehr viel Lebenskraft."

Sulamiths zuvor noch tränenerfüllten Augen beginnen zu strahlen. Die Familie, sagt sie, gebe ihr sehr viel Kraft im Alltag. Zu wissen, dass ihre Mädchen sie brauchen, helfe ihr weiterzuleben. Sie habe vier Kinder, sagt sie ganz bewusst. Es sei ihr wichtig, dass viel über Martha gesprochen wird. Marthas Geburtstag feiern sie als Freudentag. Mina, Uma und Selma erwähnen Martha häufig und ganz selbstverständlich.

Sulamith klammert nichts aus, sie stellt sich ihrer Trauer sehr bewusst und schafft so Wege für ein neues Glück. Sie beschreibt ihr Lebensglück heute so:

"Es gibt Tage, da denke ich, „es“ nicht zu schaffen, da zerdrückt mich meine Biografie, und ich denke, "so kompliziert alles, warum nur, etc". Dann nehme ich mir Zeit, um für mich meinen Gedanken nachzuhängen, zu sortieren, zu trauern. Im Wissen, dass ich zum Glück stets nur sehr kurz "schlecht wäg" bin. Weil da die Tage sind, an welchen es gut läuft. Da habe ich das Gefühl, das Vertrauen, das ich gerade meinem ungeraden Lebenslauf zu verdanken habe, macht, dass ich stark sein kann, dass ich eine verlässliche Intuition habe, dass meine Lebenserfahrung auch eine Neugierde aufs Dasein hervorruft, die mich antreibt.

Allgemein versuche ich vermehrt, die kurzen, tollen Momente auszukosten, aufzusaugen, zu erinnern und daraus Kraft zu schöpfen. Ich liebe schöne Dinge, schöne Inneneinrichtungen, Sächeli. Kann mich beinahe nicht sattsehen. Auch Blumen, Farben sind enorm wichtig für mich. Schöne Dinge rühren mich. Auch gute Texte, Bücher berühren und freuen mich sehr. Dann natürlich Begegnungen mit lieben Menschen, Blicke mit Fremden - man guckt sich an, lächelt - geht weiter. Lustige Überlegungen, Gedanken, Blödeleien der Kinder machen mich glücklich. Wenn die Sonne im Wald (ich gehe oft laufen) so durch die Bäume scheint, berührt mich das sehr. Ein Reh, das innehält, mich anguckt und weitergeht. Das gibt mir eine Ruhe, die guttut. Wenn es mit den Kindern und meinem Partner gerade stimmig ist, ich nix zu nörgeln habe, sie zufrieden sind, kurze, intensive Momente."

Wenn Sulamith über ihr Lebensglück erzählt, füllt sich der Raum mit Wärme. Es ist faszinierend und extrem berührend, zu sehen, wie Trauer und Glück sich vermischen. Sulamith lebt das Leben pur, voll und ganz. Sie hat den Mut, alle Emotionen, die zu ihr gehören, zu leben, und dies macht sie zu einer ganz besonderen Frau.

Liebe Sulamith, ich freue mich schon sehr, Dir in der Bibliothek bald wieder zu begegnen und mich vom Glück küssen zu lassen! Danke, dass Du Deine Geschichte mit uns teilst. Tribute liebt Dich!

Deine Sara

Zora Debrunner

Zora ist eine bemerkenswerte Frau mit vielen Talenten. Sie ist die Meisterin der Worte und man kommt in Verlegenheit, wenn man sie mit solchen beschreiben soll. Und sie fällt einem auch quer übers Bellevue und zwischen Menschenmassen auf! Dann strahlt sie und man fragt sich, warum sie auf Bildern eigentlich immer so ernst schaut, nie lacht.

Zora bloggte schon, als ich noch nicht einmal wusste, was das genau ist. Seit 2006 über TV Sendungen und seit zwei Jahren über ihre Grossmutter "Omi Paula" die sich langsam aber sicher in die Demenz verabschiedet und neuerdings in einem Pflegeheim lebt. Im nächsten Jahr wird "Demenz für Anfänger" als Buch im Ullstein Verlag erscheinen und in diesem war die Thurgauerin nominiert für einen Grimme Online Award in der Sparte Wissen und Bildung. (Wer nicht solange warten mag, dem sei der Roman "Lavinia Morgan - Privatdetektivin" ans Herz gelegt, ihr Debutroman der im Rahmen des Projekts "100 DAYS by Ron Orp" entstanden ist.)

Tribute interessiert sich vor allem für ihre Herzensbildung. Woher nimmt Zora die Kraft und den Mut, diesen manchmal sehr schmerzhaften Blog zu schreiben, woher ihren ausgeprägten Familiensinn? Ist dieses Niederschreiben der Entwicklung eine Ressource für sie oder eine Art Prozessarbeit? Wir haben sie gefragt und diese entwaffnend ehrliche Antwort erhalten:

"Vielleicht ist meine Leidenschaft für die Familie ein Ausdruck meiner Verlorenheit als Kind. Ich wurde als erste Tochter meiner Eltern nach drei Jahren Ehe geboren. ich war ein ersehntes und geliebtes Kind. Meine Grosseltern und Eltern hatten mich gern. Nach dem Tod meines Bruders aber waren meine Eltern sehr verletzt. Ich bin gross geworden in dem Gefühl, alle zusammen halten zu müssen, damit sie nicht auseinanderfallen. Der Tod meines Bruders hat auch meine Welt erschüttert. Das Gefühl, meine Mutter zu verlieren, begleitet mich, seit ich zwei Jahre alt bin.

Meine Mutter wurde schwer alkoholkrank. Sie hat für sich diesen Weg der Problembewältigung gewählt. In dieser Zeit wurde meine Oma mein wichtigster weiblicher Bezugspunkt. Zu ihr konnte ich mit all meinen Sorgen gehen. Auch mein Vater war, wohl ungewöhnlich für diese Zeit damals, für mich und meine Schwester da. Für ihn war es nach der Scheidung von meiner Mutter kein Thema, dass wir bei ihm aufwuchsen.

Dieses Engagement meines Vaters, die Liebe meiner Grosseltern, haben mich sehr gestärkt und mein Weltbild entscheidend geprägt.

Als mit dreissig meine Mutter schwer krank wurde, habe ich mich aber gefragt, ob ich jetzt die Kraft hätte, ihr bis zum Ende beizustehen. Doch dann war mir klar, dass ich gar nicht anders konnte, als bei ihr zu bleiben, egal, was alles passiert ist.

Auch in dieser schweren Zeit waren mein Vater, seine Frau Helene und meine Oma an meiner Seite. Ich bin mehr als einmal damals am Ende meiner Kräfte gewesen. Sie haben mir geholfen, Mutters Wohnung zu räumen, ihre Asche auf den Friedhof zu bringen.

Als Oma schliesslich immer vergesslicher wurde, war es ebenfalls klar, dass ich zu ihr schaue. Schliesslich war meine Mutter tot. Mein Vater und Helene waren mit Rat und Tat an meiner Seite.

Als ich anfing, den Blog zu schreiben, war ich sprachlos. Mir wurde die Tragweite von Omas Demenz bewusst, dass ich langsam aus ihrem Gedächtnis verschwinde. Doch noch viel schlimmer war es, dass Omas Erinnerungen verblassten. Darum begann ich zu schreiben. Mit jedem Wort, jeder Erinnerung an meine Familie, kehrte meine Sprache zurück. Ich konnte meine unfassbare Wut, meine Verzweiflung in Worte fassen.

Wann immer ich im Haus meiner Oma war oder bei ihr im Pflegeheim, schrieb ich einen neuen Beitrag. Anfangs hätte ich zehn pro Tag schreiben und veröffentlichen können. Die Wut hat sich gelegt. Mittlerweile hat sich meine Trauer gewandelt. Aber der letzte Schritt wird kommen. Noch ist meine Oma zufrieden und gesund in ihrem Pflegeheim. Sie ist 86 Jahre alt."
 

Sie hat sich auch unserer Frage gestellt, warum sie auf Fotos niemals lacht (wer mit Zora auf Facebook befreundet ist, weiss, wovon ich rede!) und auch darauf ungeschminkt und sehr persönlich geantwortet:

"Ich litt seit Kindheit an einer Kieferfehlstellung, der Progenie. Mein Unterkiefer stand weit vor dem Oberkiefer. Es hat mir das Sprechen, das Essen und das Lachen schwer gemacht. Mehr als einmal wurde ich Opfer von Sprüchen über mein Aussehen. Fotografieren war für mich eine Qual. Über die Inhalte mag ich gar nicht mehr nachdenken. In jenem Alter wäre die Zeit für Flirts und schüchternes Lächeln gewesen. Aber ich konnte das nicht. Es bereitete mir Mühe.

Nach der OP musste ich mich als erstes daran gewöhnen, dass ich anders aussehe. Das war für mich ein Schock. Ich fühlte mich nicht mehr entstellt, sondern wirkte mit einem Mal hübscher. Doch dieselben Menschen, die vorher mit mir kein Wort sprachen oder sich über mich lustig machten, lächelten mich nun an. Das schien mir nicht richtig.

Ich tue mich noch immer schwer mit Lächeln auf Kommando. Ich mag mein ernstes Gesicht, das angedeutete Lächeln."

Als ich sie am Bellevue traf, war sie in bester Begleitung und Stimmung und jegliche antrainierte Disziplin, ernst in die Kamera zu schauen, misslang ihr gründlich! Die Bilder, welche ich an diesem Nachmittag gemacht habe, zeigen eine lachende Zora, wie ich sie zuvor nicht kannte. Als ich ihr die Bilder mailte, war ich drum zuerst in Sorge, dass sie die Bilder vielleicht nicht mögen würde. Aber es kam umgehend ein "herzig. :-)" zurück und darum freut sich Tribute umso mehr, hier ein paar lachende Zora Bilder zeigen zu dürfen!

Zora, oh Zora, Tribute liebt Dich!

kafi freitag

 

Anna Rosenwasser

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Als mir vor rund einem Monat die Journalistin Anna Rosenwasser, die Frau mit dem vermutlich schönsten Namen der Welt, gegenübersass, weil diese ein Interview mit mir für die NZZ machte, war ich sehr beeindruckt von ihr. Wie sie das Gespräch locker flockig führte und dennoch all ihre Fragen elegant einbaute und wie sie mit Herzblut und Interesse dabei war, wirkte sehr professionell und gleichzeitig wunderbar erfrischend. Darum blieben wir auch nach dem offiziellen Gesprächsteil noch eine Stunde länger miteinander sitzen und plauderten über Gott und die Welt und so einige Frauenthemen.

Die Ansichten und Lebenseinstellung von Anna und ihre Gabe zur Selbstreflexion sind sehr ungewöhnlich für einen Menschen ihren Alters. Wie die 24 jährige über ihren bisherigen Werdegang und ihre Zukunftspläne sprach, hatte etwas sehr Reifes und ich staunte über ihre Weisheit, die kein bisschen altklug ist.

Darum habe ich sie gebeten, uns etwas über ihre Einstellung zu sich und ihrem Leben zu schreiben. Woher hat eine so junge Frau ein so gesundes Selbstvertrauen?

Meine Kamera hatte ich zufälligerweise auch dabei, und obwohl sie wegen der Jugendmedientage etwas übernächtigt war, willigte sie sofort für eine kurze Fotosession ein und es gelang mir, ihr wunderbares Lachen und ihre Lebensfreude einzufangen!

"Ich glaube sehr wohl, dass meine Arbeit als Journalistin auch mit meinem Selbstvertrauen zu tun hat: Wenn du dich selbstständig in die unterschiedlichsten Situationen begeben musst, musst du als Individuum gut funktionieren. Du musst wissen, wer du bist, oder zumindest ahnen, wie du da hinkommst.

Allerdings müssen junge Frauen punkto Selbstbild ganz schön viel Arbeit leisten, um nicht irgendwo im Sumpf zu landen. Wogegen ich fröhlich (wenn auch gleichzeitig verärgert) ankämpfe, indem ich mich bewusst schön finde, in möglichst jedem erdenklichen Zustand, und mir dabei Mühe gebe, nicht von Komplimenten oder Vergleichen abhängig zu sein. Ich will nicht andere Frauen runtermachen, um mich selber gut zu fühlen, und ich will mich nicht von anderen bewerten zu lassen, um als hübsch durchzugehen.

Viel, was ich zum Schönsein sagen will, hat frau schon hundertmal gehört. Akzeptier dich selbst. Schönheit ist subjektiv. Kümmere dich nicht um die Meinung der anderen. – Was diese Sprüche verheimlichen, ist das riesige System, das aus dem Sich-unschön-Fühlen Geld macht und Millionen investiert, uns einzureden, etwas laufe falsch mit unserem Aussehen. Kein Kalenderspruch und keine Weisheit aus dem Freundschaftsbüechli hat mir je beigebracht, wie ich gegen Fremde ankämpfe, die mir auf der Strasse sexistischen Kack nachrufen, und niemand bereitete mich darauf vor, dass ich meinen Bauch – der ist so in etwa durchschnittlich mittelschlank – auf keinem öffentlichen Foto, sondern höchstens im Museum repräsentiert sehe. Darum ist es so anstrengend, sich selbst schönzufinden: Wir sind uns unsere Körper nicht gewohnt. Ich steh immer noch oft vor dem Spiegel und denke, hä, das sieht doch alles gspässig aus. Der Trick besteht wohl darin, mich daran zu gewöhnen, was ich sehe. Meinen Körper – mich selbst! – ausserdem auch unabhängig vom Aussehen zu schätzen. Ich will mich an die Vorstellung gewöhnen, dass mich andere unschön finden können; das muss nicht relevant sein für mich. Auf diese Weise (und mit viel Unterstützung moderner feministischer Literatur) gelange ich zur Freiheit, mein Äusseres so zu gestalten, wie es mir passt.
"

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Wer mehr von Anna Rosenwasser lesen möchte, kann das hier tun.

Wir jedenfalls verlassen uns fest darauf, künftig noch so einiges von Anna zu sehen und zu lesen!

Anna, Tribute liebt Dich!

 

kafi freitag

Zwiegespräch mit meinem inneren Angsthasen.

Wir alle kennen ihn. Den inneren Angsthasen. Er begegnet uns immer wieder in unterschiedlichen Kleidern und Formen. Manchmal ist er gross und seine Ohren drohend, manchmal klein und rosa. Er gehört zu uns, auch wenn wir das eigentlich nicht möchten. Weil er uns manchmal klein und handlungsunfähig macht, feige und klamm.

Wenn er sich uns in den Weg stellt, weichen wir gerne zurück und lassen uns von ihm einschüchtern. Wie viel wir wegen ihm aufgeben oder gar nicht erst anfangen, kann jede nur für sich selber beantworten.

Als die 68 jährige Designerin Diane von Fürstenberg, deren Mutter eine Überlebende des Holocaust war, kürzlich gefragt wurde, was der beste Rat ihres Leben ist, sagte sie: "Angst ist nie eine Lösung."

Aber was kann man tun, wenn einem der lästige Hase im Nacken sitzt und einem den Weg zu etwas versperrt, was man eigentlich tun oder erreichen möchte? Ihn verdrängen oder ignorieren funktioniert vielleicht kurzfristig. Denn dieser Hase ist manchmal ein ganz schön fieses Tierchen, und anhänglich ist es auch.

Um die Psyche dieses verbreiteten Haustiers zu verstehen, muss man zuerst einmal realisieren, dass dessen Anwesenheit etwas vollkommen Gesundes ist. Ein normales Mass an Schiss und Respekt schützt und vor allzu grossen Dummheiten und sorgt dafür, dass wir möglichst nicht in gefährliche Situationen schlittern. Wenn wir diesen Bammel nicht hätten, wäre unsere Lebenserwartung vermutlich halb so lang und unser Schutzengel burnoutgefährdet.

Erst dann, wenn uns der Angsthase im Alltag einschränkt und uns nicht weiterentwickeln lässt, wird er uns lästig. Davor ist er ein wahrer Segen und wir sollten dankbar sein, dass er uns so treu begleitet.

Dennoch kennen wir alle die alltäglichen Situationen, wo man sich etwas nicht getraut, nicht zugetraut hat. Man hätte es eigentlich schon gerne, ABER... Der Hase war dann eben doch stärker und so hat man klein beigegeben und ist mit ihm am Händli wieder heimgehoppelt.

Warum den Hasen nicht einmal an den Ohren packen und ihn fragen, was er eigentlich genau im Schilde führt? Ein innerer Dialog mit seinem eigenen Angsthasen kann manchmal Wunder bewirken! Wenn man ihn einmal "reden" lässt und ihm gedanklich eine Form verleiht (die Ohren sind eigentlich gar nicht so lang, sehe ich gerade) und eine Farbe (jesses, der ist ja Rosa, ist ja eigentlich noch ganz härzig...), dann kann er nämlich ganz handzahm werden und manchmal verrät er einem sogar seine ganz persönliche Mission. Denn fast jeder Hase hat eine Mission und die ist in der Regel gut gemeint. Sobald man diese kennt, wird der eigene Angsthase kooperativ und so manch einer lässt sich sogar für eine Weile mal in die Ferien schicken.

Wer seinen eigenen Angsthasen kennt und einen freundschaftlichen Kontakt zu ihm pflegt, wird bald wissen, wo man ihn kraulen muss, damit er nachgiebig wird. Viele Hasen haben ein buchstäbliches Elefantenhirn und sie präsentieren einem noch Jahre später minutiös alle Fettnäpfchen, in die man getreten ist. Da kann es dann schon mal sinnvoll sein, dass man den Hasen erklärt, dass das gar nicht so schlimm ist und auch zu einem spannenden Leben dazugehört. Frei nach dem Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!"

Wie Sie vielleicht wissen, verbietet es das Schweizerische Tierschutzgesetz, einen Nager allein zu halten. Dementsprechend wäre es vielleicht sinnvoll, dem Angsthasen einen Freund zur Seite zu stellen, der ihm ab und an Paroli bietet. Warum nicht einfach ein freches Streifenhörnchen einziehen lassen, dass sich all die mutigen Aktionen und Erfolge merkt, die man in seinem Leben schon verbucht hat?

Wenn man sich einmal etwas Zeit nimmt und all die stärksten Momente nochmals Revue passieren lässt, in denen man etwas gewagt hat und dafür dann auch (in irgendeiner Form) belohnt wurde), dann stärkt dies unser Vertrauen in den eigenen Mut. Das Sammeln solcher erinnerten "Trophäen" macht uns stark und lässt uns beherzter Dinge ausprobieren, die uns etwas Überwindung kosten.

Bieten wir unserem inneren Angsthasen die Stirn!

Stammtisch der etwas anderen Sorte.

Es gibt da dieses kleine beschauliche Café in (ja ja, ich weiss, einmal mehr in....) Winterthur, in dem die Zeit stehen geblieben scheint und das auch in einer lauschigen Ecke Amsterdams versteckt sein könnte. Dort zieht es uns wegen dem verboten feinen Blätterteiggebäck immer mal wieder hin und es scheint nicht nur uns so zu ergehen ... (Nach langem Abwägen tun wir jetzt mal so, als hätten wir den Namen des Kleinods ganz vergessen. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn Kafi den weiten Weg von Züri nach Winti machen würde und das Gebäck dann alle wäre.)

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Jedenfalls haben wir dort letztens ein Grüppli von Frauen angetroffen, die sich regelmässig hier treffen. Und das, seit sie sich vor sagenhaften 8 Jahren im Rückbildungsturnen kennengelernt haben. (Dass man sich im Geburtsvorbereitungskurs kennenlernen kann, wussten wir ja schon, hier waren wir aber einer Variation unserer eigenen Geschichte begegnet). Hier wird zusammen Kaffee getrunken und geplaudert und danach geht's auf den Markt. Dieses Ritual ist für Monica und die beiden Sandras fester Bestandteil ihres Alltags und keine der drei Freundinnen möchte diese kleine Auszeit aus dem Alltag missen. Dass dies manchmal einen organisatorischen Aufwand bedeutet, ist offensichtlich. Aber diesen Dreien ist diese gemeinsame Zeit so wichtig, dass sie dafür auch mal etwas stehen oder liegen lassen.

Und so bekommt der Stammtisch ein ganz neues Gesicht und statt Bier und Parolen gibt's Cappuccino und die Neuigkeiten aus Winterthur serviert.
 

Danke, dass wir Euch kurz dabei stören durften. Es war uns eine Freude!
Eure Sara&Kafi.

(P.S. Ein kleiner Nachtrag: Das Café heisst "Piccolo Mondo", im Fall. Aber bitte nicht Kafi sagen, dass ich es verraten habe. Danke. Sara)

Rayana!

Wenn Du mit einer mies gelaunten Schnute durch Zürich schleichst und Dir eine Frau mit raspelkurzen blonden Haaren provokant ins Gesicht lacht, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Du Bekanntschaft mit Rayana gemacht hast. Die hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, Menschen, die besonders griesgrämig in die Welt schauen, mit einem extra breiten Lächeln zu beschenken.

Obwohl ich an diesem Tag überhaupt nicht mies gelaunt war, habe ich es dennoch abgekriegt, ihr fröhliches Strahlen. Und weil mich fröhliches Strahlen ausserhalb von Winterthur generell misstrauisch macht, habe ich einfach mal nachgefragt. Ob Rayana immer so gut gelaunt ist. (Hoffentlich nicht, weil sonst wäre das Misstrauen ja begründet), und falls nicht, wie sie es denn anstellt, sich in diesen Zustand zu versetzen (ich will hinter deine Strategie kommen, gopf!).

Die deutsch-italienische Doppelbürgerin mit der grossen Türkei-Vorliebe hat mir so einige Strategien offengelegt, ich bin gar nicht mehr aus dem Notieren gekommen ... Um nur ein paar davon zu nennen:

"Ich gehe ohne Scheuklappen durch die Welt und mir passieren dadurch Begegnungen, die mich nähren und speisen. Da ich früher als Reisebegleiterin mit unterschiedlichsten Menschen im Ausland unterwegs war, fällt es mir nicht schwer, in Kontakt zu kommen. Heute ist mein Leben ein bisschen ruhiger, aber mein Freundeskreis ist mir immer noch sehr wichtig und ich liebe es, wenn ich mit meinem Freund in einer fremden Stadt unterwegs sein kann. Er macht auf unseren Trips jeweils grossartige Fotos, die mir als Ressource im Alltag dienen.

Überhaupt ist meine Beziehung etwas sehr Bestärkendes für mich. Trotzdem liebe ich es auch, ab und zu für mich zu sein. Das sind dann jeweils meine "Rayana-Abende", in der ich mich entweder sportlich beim Downhillbiken oder Joggen auspowere oder ganz einfach zu Hause mit meinen beiden Katzen Oskar und Anton schmuse.

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Die beiden sind bis anhin auch die Einzigen, die mich beim Singen hören dürfen. Also nebst meiner Gesangslehrerin natürlich. Singen ist etwas sehr Wichtiges für mich. Nur leider fehlt mir bis heute der Mut, es öffentlich zu tun. In einer Band singen wäre toll! Vielleicht überwinde ich mich ja irgendwann."

Liebe Rayana. Ich habe Dich ja zugegebenermassen noch nicht singen gehört. Aber schon allein wegen Deiner starken Präsenz gehörst Du eigentlich auf die Bühne! Vielen Dank für den Einblick, den Du uns gewährt hast. Das war eine super Begegnung mit Dir. Bitte misch die griesgrämigen Zürcher weiterhin auf!

kafi freitag

Glücksstrahlende Winterthurerinnen.

Es ist Freitag und es ist Markt und wir sind in Winterthur. (Winterthur ist die Wahlheimat von Sara. Was Kafi bis anhin immer müde belächelt hat. Denn wer will schon in Winti wohnen, wenn er in Züri wohnen kann? Ebe. Und dann noch eine gebürtige Stadtzürcherin, wie Sara eine ist! Tzzzzz. (es wäre ja etwas anderes, wenn sie von Niederbipp wäre, ich mein, he ja wirklich, gopf.) Aber hier sollen angeblich die glücklichsten Frauen der Schweiz leben. Wie man so was misst, ist zwar schleierhaft. Aber es soll trotzdem wahr sein. Sara und Kafi hatten bis anhin ja den Verdacht, dass es an der hohen Dichte von Freikirchen liegen muss, das mit der Glücksüberdosis. Aber da Sara auch ganz ohne Freikirche glücklich in der neuen Heimat ist, möchte Kafi doch nicht ganz ausschliessen, dass es auch bei den happy Winti-Frauen noch andere Gründe geben könnte.)

Ausserdem ist es Sommer und dennoch sonnig. Drum wollen wir es etwas genauer wissen und fragen bei ein paar Frauen, die uns besonders vergnügt erschienen, nach: "Was hat Dir heute schon Freude bereitet?" Der Tag war zu dieser Uhrzeit noch jung, doch das Glück war schon greifbar.

 

Cordula, die wir gerade aus einer Unterhaltung mit der Stadtpolizei gerettet haben, hat zwei Kinder. Sie sagt zwar, dass sie nicht sehr fotogen sei. Aber wenn sie die Wahl zwischen der Polizei und uns beiden hat, dann scheinen wir doch das kleinere Übel zu sein.

Ich geniesse es sehr, wenn ich mal etwas Freiraum für mich selber habe. Mit zwei Kindern (eines im Kindergartenalter und das andere schon ein Teenager) bleibt im Alltag oft zu wenig Zeit dafür. Umso mehr geniesse ich den Marktbesuch heute."

 

 

Nachdem ich Gabriela auf ihr Strahlen angesprochen habe, erzählt sie mir, dass sie eigentlich total müde sei, sich aber dennoch super fühle: „Ich habe gestern bis drei Uhr in der Früh mit einer Freundin telefoniert. Total unvernünftig, da ich zwei Kinder habe und am Morgen wieder früh raus muss, aber genau darum geht es mir heute total gut! Etwas zu tun, was völlig „out oft the Box“ ist, gibt mir mehr Energie für den Alltag. Man sollte so was viel öfter machen.“

 

 

Fröhlich gepunktet und mit einem breiten Smile auf dem Gesicht läuft uns Claudia über den Weg. Dass sie glücklich ist, ist offensichtlich. Und sie sagt uns auch, warum:

„Das schöne Wetter beim Aufstehen und das gemeinsame Frühstück mit meinem Mann haben mich fröhlich gestimmt, nun geniesse ich die farbenfrohe Atmosphäre auf dem Markt.“

 

 

Christa schlendert strahlend mit ihrer Tochter Anëlle über den Markt, als wir sie fragen, was sie heute besonders gefreut hat:

„Meine zwei älteren Kinder sind gut in den Kindergarten und in die 1. Klasse gestartet. Darüber bin ich sehr froh und dass alle drei Kinder gesund sind. Ich freue mich nun aufs Wochenende, wo wir als Familie alle wieder zusammen sind.„

 

 

Zum Schluss treffen wir eine liebe Bekannte von Sara wieder.

Linda hat vor langer Zeit mit Sara zusammengearbeitet. So schön, sie wiederzusehen! Als Sara sie fragt, wie es ihr geht, platzt es aus ihr heraus: Ich komme gerade vom Ultraschall!“ Erst da bemerken wir den Babybauch. Ihr strahlendes Gesicht und diese Aussage ersparen uns die Frage, worüber sie sich heute schon gefreut hat.

Linda ist die Begründerin des Modelabels «sagenhaft» und designt tatsächlich sagenhaft zauberhafte Kleider. Das hat auch der Globus gemerkt, der ihre Kollektion ins Sortiment aufgenommen hat. Und da man von Sagenhaftem nie genug hat, werden wir sie demnächst in ihrem Atelier besuchen. Demnächst mehr auf Tribute!

 

Unser Fazit dieses Vormittags lautet: Was auch immer die Winterthurer ins Wasser tun, es scheint zu wirken! (Das muss sogar Kafi zugeben, die mittags mit dem Zug wieder nach Zürich zurück fährt, wo sie von griesgrämigen Gesichtern empfangen wird, während Sara in bester Gesellschaft weiter über den Markt bummelt.)

Eure Sara&Kafi

 

Ferien! Max! Stau!

Es gibt da diesen Zeitpunkt, wo die Koffer und das Auto schon gepackt sind und man 20 Sandwiches präpariert hat für den Fall, dass man wieder gefühlte 28 Stunden im Stau steht und nicht möchte, dass man dann den Urlaubsort nicht erreicht, weil man auf der Strecke verhungert ist. Das ist meistens der letzte Tag vor der Abreise. Man ist dann für gar nichts mehr zu gebrauchen und am liebsten hätte man, wenn niemand mehr auch nur ein einziges Sterbenswörtchen an einen richten würde. Also im Prinzip Redeverbot. Wenigstens bis man im Stau stillsteht und Sandwich No. 12 isst. Bitte. Danke.

Aber genau in diesem Zeitpunkt wird einem klar, dass man vor einigen Monaten aus einem jugendlichen Übermut heraus Tickets für ein Konzert bestellt hat, das ennet der Grenze, ennet des Bodensees, ennet jeglicher Vernunft am letzten Abend vor der Abreise, am letzten Abend vor dem Stau und den 20 Sandwiches stattfindet.

Man würde dann eigentlich furchtbar gerne einen guten Grund finden, warum man jetzt nicht mehr nach dort drüben reist für einen Musiker, den man vor knapp 20 Jahren schon gut fand. (Also im Prinzip würde man sogar gerne einen guten Grund zur Hand haben, das Auto wieder zu entladen und die Kinder in den Ferienhort zu schicken.) Aber dann merkt man plötzlich, dass auch 20 bereits präparierte Sandwiches keine Chance haben gegen ein Lebensgefühl, das man vor knapp 20 Jahren mal hatte. Als man noch frei und ungebunden war, zu A-n-n-a tanzte und sich mehr oder minder erfolgreich einredete, dass der Max Herre das Liebeslied mit uns im Kopf geschrieben hat.

Also reisst man sich zusammen. Setzt sich bereits fix und fertig in den brütend heissen Zug. Auf die brütend heisse Fähre.


Und siehe da ein Gefühl von Urlaub und Freiheit und ­den ungebundenen Zwanzigern stellt sich ein! Und in diesem Gefühl von Urlaub und Freiheit und den ungebundenen Zwanzigern stellt man sich noch kurz unter ein Riesenrad und merkt, dass einem schon vom Zuschauen übel wird, läuft man dann auch die knapp 4 Kilometer von Bahnhof Salem nach Schloss Salem, und auch wenn man kurz befürchtet, das Gebäude am anderen Ende des wiegenden Kornfelds könnte lediglich eine Fata Morgana sein, die das dehydrierte Hirn bei etwa 34 Grad einem ins Hirn spukt, so geht man doch tapfer immer weiter und bricht dann kurz vor der Bühne, praktisch dem Max und der atemberaubenden Joy Denalane zu Füssen, glücklich zusammen.
 

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Was für eine wunderbare Reise in die Vergangenheit. Wir wurden sowas von belohnt! Das Schloss Salem ist ein unvergleichlicher Ort für ein Open-Air Konzert. Der Innenhof, der Park... Spektakulär! Und auch das Konzert war grandios. Max und Joy in Bestform. Und um uns herum ausschliesslich gut gelaunte Menschen. What a day!

Was für ein herrlicher Start in den Urlaub! Stau, wir kommen!

Schöne Ferien wünschen Euch:         Sara & Kafi

 

 

Rosa

Wann immer ich Zeit habe, besuche ich Rosa in ihrem Geschäft, dem Trachte-Egge in der Nähe des Stauffachers. Unser beide verbindet nicht nur die Leidenschaft für alte Trachten, sondern auch viele andere Themen ums Frausein heute. Es ist für mich immer wieder spannend zu merken, dass Frauen sich oft mit ähnlichen Inhalten beschäftigen, ganz unabhängig davon, ob sie jetzt 19, wie ich 39 oder wie Rosa 68 Jahre alt sind. Mir gefällt an Rosa besonders ihre Begeisterungsfähigkeit und ihre kindliche Neugierde. Wenn ich bei ihr im Laden vorbeischaue, erzählt sie mir von den letzten ­Indipendentfilmen, die sie gesehen hat. Oder aber davon, dass sie jetzt doch nicht weiter Japanischunterricht nimmt, weil sie die Lehrerin eine "­gschpässige" findet. Und he, jetzt aber mal ernsthaft: JAPANISCH? Wie cool ist das denn? Rosa möchte drum gerne mal Japan bereisen und meint, es ist schon noch gäbig, wenn man die Landesprache ein bitzli beherrscht. Daraus wird jetzt leider nichts. Aber ich bin überzeugt, dass Rosa mir irgendwann, wenn ich sie mal wieder im Trachtenladen besuche, Bilder von ihrer Japanrundreise unter die Nase halten wird. Rosa rockt!

Als ich sie frage, was sie an sich besonders gerne mag, antwortet sie:

"Wenn ich mich gut fühle, gefalle ich mir auch gut. Am liebsten mag ich mein Lachen und meine Sensibilität."

kafi freitag

Zirkusträume

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Schon als kleine Mädchen haben wir den Zirkus geliebt. Sara, weil sie gerne Artistin geworden wäre. Ich, weil ich mich immer in die schnieken Artisten verliebt habe.

Inzwischen sind wir Mütter und froh, dass wir mit unseren Söhnen einen guten Vorwand haben, uns wieder in ein von der Sonne aufgeheiztes Zelt zu setzen und dort auf pubertäre Meitli zu machen.

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Ein Hoch auf alle Zuckerwatte-Anbeterinnen!

Die junge Frau mit Kamera

Es war ein herrlicher Frühlingstag und es blühte, was blühen kann. Und als wäre das nicht genug, begegnete mir diese junge Fotografin mit ihrem männlichen Model, das Augenbrauen hatte, von denen selbst die Augenbrauen-Cara nur träumen kann. Mich faszinierte aber mehr die Frau hinter der Kamera, als der Mann davor. Ihre Natürlichkeit und ihre super sympathische Art brachten mich dazu, Sie zu fotografieren. Und diese verschwand auch nicht, als ich meine Kamera auf sie richtete. Vollkommen unbeirrt, blieb sie ganz bei sich. Leider konnte ich Zuhause den kleinen Zettel mit ihrem Namen nicht mehr finden. Aber wie immer sie auch heissen mag; Tribute loves her!

kafi freitag

Wie ein Mädchen...

Momentan schwirren im Netz sehr viele Youtube-Filmli herum, die Frauenthemen aufnehmen. Dove ist damit gestartet, dann ist Pantene nachgezogen und nun Always. In diesen Filmen, die dafür konzipiert wurden, sich möglichst viral zu verbreiten, geht es immer darum, dass Frauen sich kleiner, hässlicher, langsamer, doofer machen, als sie sind.

Die Message ist dann jeweils: Fühl dich gut! Fühl dich stark! Und daran ist ja auch gar nichts auszusetzen. Denn das sollten wir ja tatsächlich tun, uns gut und stark fühlen.

Und dennoch machen uns diese Webebotschaften der letzten Tage auch nachdenklich. Und zwar in diesem Sinne, dass die Unsicherheit der Frauen für die Webeangenturen ein ganz grosses Business zu sein scheint. Jedes Produkt, das im entferntesten mit Frauen zu tun hat, könnte demnächst in dieser Form beworben werden. Vermutlich kann die Branche den Value unserer Unsicherheit bereits in Zahlen umrechnen. Und diese scheint, der grossen Beliebtheit solcher Spots nach, sehr gross zu sein.

Wir denken, dass es den Multis hinter den Produkten eigentlich schnurzegal ist, ob wir uns nun gross oder klein fühlen. Denen geht es einfach nur um den Absatz eines Produkts und darum, dass eine Werbekampagne funktioniert. Und das kann wiederum uns herzlich egal sein. Denn wenn diese vermutlich von A bis Z durchinszenierten Spots eine positive Wirkung auf unser Selbstbild haben, dann haben beide Seiten gewonnen. Aber was, wenn das gar nicht das Ziel ist? Was, wenn konkret dieser Spot uns sagen will, wie Mädchen eigentlich rennen?

Wir sollten all diese viralen Geschichten sehr genau anschauen und uns fragen, ob die Message unter der glatten Oberfläche nicht eigentlich eine negative ist. Anstatt alles blind weiter zu verbreiten, was irgendwie nach "Ihr seid super" ausschaut, sollte man einen Moment damit verbringen herauszufinden, was der langfristige Nutzen der Kampagne für den Hersteller ist.

Natürlich ist die mit wunderbarer Musik unterlegte Sequenz vordergründig dafür gedacht, uns zu sagen, dass nichts Negatives daran ist, wie ein Mädchen rennt. Oder überhaupt "wie ein Mädchen". Aber gleichzeitig zementiert er auch genau diese angebliche Ausgangsituation. Denn für uns war "wie ein Mädchen" davor nicht negativ konnotiert. Der Film sagt uns aber, dass es eigentlich so ist.

Darum möchten wir es nochmals hervorheben und Euch zum Nachdenken mitgeben:

Unsere Unsicherheit ist ein Milliardengeschäft. Und ein Milliardengeschäft will man nicht so schnell wieder verlieren.

 

sara satir & kafi freitag

Wir Frauen sind gschpässige Wesen...

Allerdings.

Wir Frauen haben ja sicherlich einige ­aussergewöhnliche Talente. Wir können nicht nur gleichzeitig telefonieren, fernsehn und den Haushalt schmeissen, sondern auch unsere Optik in sekundenschnelle kolossal verändern. (Und ich meine jetzt nicht, dass wir unser Äusseres blitzschnell umstylen können, sondern die Sehschärfe unserer Augen!)

Ich weiss ja nicht, wie das medizinisch oder biologisch zu erklären ist, aber wir haben die grosse Fähigkeit, bei unseren Freundinnen oder insgesamt anderen Frauen einen weichzeichnenden Blick aufzulegen, während wir uns selber kurz danach wieder knallhart und stark konturiert sehen. So als würde man einen High-Dinamic-Range-Filter übers Auge legen, der jede noch so kleine Unebenheit kaltblütig betont. Und dann wieder einen Hamilton-Filter mit Vaseline auf dem Auge, wenn's um die Betrachtung anderer geht.

Mit dieser unglaublichen Serienausstattung fällt es uns schampar leicht, die gleichen Makel an der Freundin als charmant und bei uns selber als unausstehlich zu sehen. Die Beine der anderen sind IMMER schlanker und die Haare immer glänzender. Es ist wirklich ein Phänomen.

Sollten wir nicht anfangen, uns selber auch einmal mit diesem liebevollen Blick anzuschauen? Sollten wir den gemeinen Filter nicht durch den schmeichelhaften ersetzen und aufhören, uns selber immerfort mit anderen zu vergleichen? Wäre es nicht endlich an der Zeit, nicht immer nur die eigenen Defizite wie durch ein ­Vergösserungsglas zu betrachten, sondern die Schoggiseiten zu füttern?

Dove hat bereits vor einiger Zeit ein Experiment gestartet, mit einem Phantombildzeichner, der Frauen jeweils nach der eigenen Beschreibung und dann nach der Beschreibung einer fremden Person gezeichnet hat. Die Porträts, auf denen die Frauen von ­aussen beschrieben wurden, waren immer stimmiger und wohlwollender.

Natürlich ist das Ganze nur eine verdammt geschickte Marketingstrategie, um uns Frauen an ein Produkt zu binden. Aber jetzt ist Pantene ein Wurf gelungen, der uns alle nachdenklich machen sollte. Diesmal steht unser Talent, uns immer kleiner zu machen und zu entschuldigen im Vordergrund.

Ja, wir Frauen haben wirklich viele aussergewöhnliche Talente. Nur zu schade, dass sich so viele davon gegen uns selber richten ...

sara satir & kafi freitag

Ursula

Ursula ist ein liebes Facebookgschpändli von mir. Sie stellt immer wunderbare Selfies von sich ins Netz und wir teilen die Leidenschaft für Chie Mihara Schuhe. Viel mehr habe ich von ihr nicht gewusst, als ich sie hoch über den Dächern von Züri zum Kafi traf.

Ursula hat mir erzählt, wie sich ihr Leben nach einem traumatischen Erlebnis vor vier Jahren kolossal verändert hat. Nach einem Angriff, bei dem sie von einem Fremden brutal zu Boden gestossen und ihr die Handtasche gestohlen wurde, litt sie für einige Wochen an Schlaflosigkeit und Angstzuständen. Irgendwann sagte sie sich, dass sie sich von diesem Typen nicht das Leben kaputt machen lassen wollte! Danach geschah eine Veränderung, die sich Ursula selber nicht erklären kann.

"Ich fasste Mut für Dinge, die ich zuvor nicht getan hatte. Nach vielen Jahren fing ich wieder mit dem Autofahren an. Ich meldete mich als Model für eine Modenshow an und besuchte ein Casting für eine Werbekampagne. Ohne zu wissen, wie mir geschah, lief ich kurze Zeit später über einen Laufsteg und mein Gesicht zierte die Plakatwände der Westschweiz. Zuvor war ich ein sehr angepasster Mensch. Ich wurde so erzogen und hatte es nicht anders gekannt. Plötzlich war das alles weg. Ich hatte Lust auf Veränderung und wagte Dinge, zu denen mir davor der Mut gefehlt hatte. Nach vielen Jahren, in denen ich mich möglichst unauffällig bewegt habe, erlebe ich heute Freude daran, mich zu zeigen. Ich habe mir die Haare wachsen lassen und angefangen, Golf zu spielen. Heute sage ich öfter meine Meinung, auch wenn dies ab und an einen Konflikt provoziert. Mein Leben hat sich seit diesem schlimmen Erlebnis sehr verändert. Demnächst ziehe ich mit meinem Mann von einem alten Haus in der Westschweiz in eine supermoderne Wohnung in einen der urbansten Stadtteile Zürichs. Es fällt mir leicht, diesen grossen Schritt zu machen. Es fühlt sich an wie ein Ankommen."

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Als mir Ursula von diesen Entwicklungen in ihrem Leben erzählt hat, war ich tief beeindruckt. Wie sie es geschafft hat, nach einem solch traumatischen Erlebnis nicht nur wieder Fuss zu fassen, sondern ihrem Leben eine neue Richtung zu geben, ist sehr bewundernswert. Wenn man heute Ursula gegenübersitzt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass sie einmal eine beinahe andere Frau war. Wenn sie von ihren neuen Hobbys und Interessen erzählt, dann leuchten und funkeln ihre Augen. Und wenn sie zeigt, wie man mit dem Golfschläger durchziehen muss, dann fragt man sich insgeheim, wann man eigentlich zum letzten Mal etwas vollkommen Neues gewagt hat.

Ursula, Du bist super. Tribute liebt Dich!

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kafi freitag

Farben als Ressource?

Aber so was von! Für mich sind Farben eine totale Glücksquelle. Bei mir zu Hause ist es so bunt, dass man beinahe Diabetes davon bekommt. Und auch mein Kleiderschrank kennt keine farblichen Grenzen. Wenn ich morgens aufstehe, dann weiss ich bereits, ob es ein Tag in pink oder hellblau für mich wird. Je nachdem, wie ich mich fühlen will, wähle ich die passende Farbe dazu.

Welche Farbe hat Dein Glück? Und welche die Melancholie?

kafi freitag

Schmückende Erinnerungen

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Ich liebe Schmuck mit Geschichte. Die Perlenkette meiner Grossmutter, die Ohrenringe einer lieben Freundin. Das Amulette meiner Mutter, die Uhr meiner Gotte, Armreife aus Istanbul. Jedes meiner Stücke ist mit einer geliebten Person oder mit einem schönen Erlebnis verknüpft. So trage ich jeden Tag meine Liebsten und schöne Erinnerungen bei mir...
Vergangenes bleibt lebendig.

sara satir

Andrea

Diese Frau! Mit dem silbrigen Haar und dem knallroten Lippenstift! Diese Grazie! Ich muss sie haben, ich will ein Bild von ihr, gopf! Ich, auf dem Rad am Fussgängerstreifen, sie braust an mir vorbei. Ich kehre um und fahre auf dem Trottoir wie eine Gepickte und schneide ihr weiter vorne den Weg ab. Atemlos schon fast, weil null Kondition, weil null Sport. Jä nu!  Winkend lotse ich sie an den Strassenrand. Sie ist von Nahem noch schöner! Sie leuchtet regelrecht. Das rot! Das Silber! Diese Anmut. Wow.

Andrea heisst sie. Und sagt von sich selber, dass sie nicht fotogen ist. Was ich, wenn ich durch die Linse schaue, nicht glauben kann. Und was sich auch später zu Hause vor dem Bildschirm nicht bestätigt. Ihr Leuchten kommt auch auf den Bildern rüber. Und ihre Anmut auch.

Als ich sie frage, was ihr an sich selber besonders gut gefällt, überlegt sie eine Weile. Und antwortet dann: Humor! Zum schön sein braucht es Humor. Und überhaupt sei Schönheit eine Entscheidung.

"Eines Tages sagt man sich, ich bin jetzt schön. Und dann ist man es auch. Natürlich braucht man dazu auch Mut zur Hässlichkeit. Und eben Humor. Ich habe entschieden, mich selber schön zu finden. Es ist wirklich eine Entscheidung. Auch wenn man in der Schule noch ein Mauerblümchen war."

Was für ein Statement, was für eine Haltung! Als ich sie fragte, ob ich ihr die Bilder schicken soll, hat sie abgewunken. Weil - sie sei ja eben gar nicht fotogen ...

Das sehen wir zwar anders. Aber wie dem auch sei: Tribute liebt Andrea!

kafi freitag

Role Models

Wir wissen ja nicht, wie es Euch ergeht. Aber wir haben Mühe damit, Fashionmodels aus Magazinen als Vorbilder zu sehen. Natürlich sehen die immer wie aus dem Ei gepellt aus und alles was sie tragen, sitzt perfekt. Aber Inspiration geht anders.

Wir begegnen auf unseren Spaziergängen durchs Internet immer mal wieder Frauen, die uns wirklich begeistern und inspirieren. Weil sie sich nicht diktieren lassen, was sie anziehen können/dürfen und was nicht! Weil sie zu sich stehen, und dabei grossartig aussehen. Weil sie so viel Power und Lebensfreude ausstrahlen, wie noch selten ein Hochglanzmagazin-Model. Und Frieden mit sich selber geschlossen haben. Und darum sind sie Ressourcen für uns!

Da ist zum einen die grossartige Tanesha mit ihrem tollen Blog "GIRL WITH CURVES" :

 

 

Und zum andern die atemberaubende Justina von "Justina Blakeney Est. 1979".

Tanesha und Justina, wir lieben Euch! Weil Ihr uns zeigt, wie Leidenschaft für Kurven und Mode wirklich geht!

Eure Sara und Kafi.

Silvia

Darf ich vorstellen: Silvia. Sie ist die Lebenspartnerin meines Vaters und darum kenne ich sie schon ewig und drei Tage. Sie ist die gute Seele der Familie und sagt meinem Vater, wenn es besser wäre, die Klappe zu halten. Ihre Geduld und Lebensklugheit kennt kaum Grenzen. Ihre Ausstrahlung und Schönheit ebenfalls nicht. Vor ein paar Monaten ist sie 70 geworden. Sie war schon immer eine sehr attraktive Frau, aber irgendwie wird sie mit jedem Jahr noch strahlender. Nachdem sie lange Jahre ihre Haare in jedem verfügbaren Farbton gefärbt hatte, besteht sie seit einiger Zeit auf ihrem natürlichen Silbergrau. Und wie ich finde, ganz zu Recht! Dafür ist sie was ihre Garderobe und die Farbe des Nagellacks betrifft, experimentierfreudig und farbenfroh wie eh und je! Wenn es sie nicht bereits in unserer Familie gäbe, man müsste sie erfinden!

Silvia schreibt:

"Schönheit ist für mich im Einklang mit sich selber zu sein. Gesundheit, Zufriedenheit und Lebensfreude sind Merkmale, die sich im Aussehen widerspiegeln und dadurch fühle ich mich gut."

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kafi freitag

Manche mögen es süss...

... und sind happy, wenn sie ein Törtli vor sich auf dem Teller haben. Bei mir sind ja eher Chips und Salziges, die mich glücklich machen. Aber trotzdem ist Backen für mich eine grosse Ressource. Vermutlich, weil's einmal mehr eine Farbschlacht ist, wer weiss... ;)

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kafi freitag