Bruce Jenner

Photocredit: usmagazin.com

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Lieber Bruce.

Es ist kein Geheimnis, ich stehe auf Trash-TV. Ich schaue gerne Hochzeitssendungen, verfolge kreuzdumme Deutsche, wenn sie ihre 7 Sachen packen und ohne einen Funken Verstand oder Spanischkenntnisse gen Malle auswandern (für immer natürlich, was sonst) und Dir und Deiner unsäglichen Familie sehe ich auch gerne zu. Diese Radikalität, sich, sein Leben und seine Seele an Ryan Seacrest und die Öffentlichkeit zu verkaufen, fasziniert mich. Irgendwie. Nenn es Masochismus.

Dich hingegen mochte ich schon immer. Wenn Du Dich mit Deiner Hubschraubermodellsammlung in die hinterste Ecke Deiner Garage zurückgezogen hast, dann war offensichtlich, dass Du mit dem Leben haderst, aber ich habe es halt auf Deine anstrengenden Mitbewohnerinnen zurückgeführt. Und die waren vermutlich auch nicht ganz unschuldig. Dennoch.

Du bist vor ein paar Tagen in die Öffentlichkeit getreten und hast in einem mehrstündigen Interview Deine Hosen noch ein Stück weiter heruntergelassen, als sie es eh schon waren. Und weisst Du was, ich finde Dich einen geilen Siech dafür. Ich kann nicht ahnen, was es bedeuten muss, als superöffentliche Person einen solchen Schritt ebenfalls superöffentlich zu gehen. Aber ich finde es mutig. Und richtig. Und wichtig.

Man kann nun einwenden, dass es für einen Familienvater in Konolfingen um einiges schwieriger sein muss, sich als Transgender zu outen und das mag wohl stimmen. Aber ich denke, dass es irgendwann auch in Konolfingen etwas einfacher sein wird. Dank Dir Bruce.

In den letzten Monaten gab es immer wieder Schlagzeilen über Jugendliche Transgender, die sich das Leben genommen haben. Das hast Du nicht getan. Aber irgendwie eben doch. 65 lange Jahre hast Du als Mann gelebt, obwohl Du Dich als Frau gefühlt hast. Du hast 3-mal geheiratet, 6 Kinder gezeugt und warst 10 Kindern ein Vater. Obwohl Du vielleicht lieber die Mutter gewesen wärst.

Schon als Kind hast Du gemerkt, dass Du Dich wie ein Mädchen fühlst und bist - vermutlich als Gegenmassnahme - in eine ausgeprägte Männlichkeit geflüchtet, wie man sie vermutlich nur als Spitzensportler haben kann. Du hast viel geschwiegen in Deinem Leben. Bis Du vor ein paar Tagen endlich geredet hast.

Dein Interview hat mich sehr berührt. Du bist Teil einer der öffentlichsten und trivialsten Familien Amerikas. Und nun das. Im Laufe des Gesprächs öffnest Du Dein Haar und sprichst die magischen Worte. "Ich bin eine Frau". Du hast lange hinter dem Berg gehalten. Aus Rücksicht auf Deine Kinder, Deine Ex-Frauen, Dein Umfeld. Nun bist Du 65 Jahre alt und es wird Zeit, dass es endlich um Dich geht.

Lieber Bruce, das wird die Welt ein Stück verändern, ernsthaft. Dein Mut und Deine Konsequenz wird es anderen Menschen, die ähnlich wie Du fühlen, einfacher machen, damit zu leben. Die Art und Weise, wie Deine Kinder damit umgehen, wird es anderen Angehörigen einfacher machen. Es tut mir persönlich leid, dass Du mehr als die Hälfte Deines Lebens in einer Unterdrückung leben musstest. Gleichzeitig bin ich Dir dankbar, dass Du der Wegbereiter für viele Menschen bist, die ihr Leben noch vor sich haben.

Nun bist Du eine Frau, willkommen liebe Bruce! In Liebe, Kafi.