Anna Rosenwasser

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Als mir vor rund einem Monat die Journalistin Anna Rosenwasser, die Frau mit dem vermutlich schönsten Namen der Welt, gegenübersass, weil diese ein Interview mit mir für die NZZ machte, war ich sehr beeindruckt von ihr. Wie sie das Gespräch locker flockig führte und dennoch all ihre Fragen elegant einbaute und wie sie mit Herzblut und Interesse dabei war, wirkte sehr professionell und gleichzeitig wunderbar erfrischend. Darum blieben wir auch nach dem offiziellen Gesprächsteil noch eine Stunde länger miteinander sitzen und plauderten über Gott und die Welt und so einige Frauenthemen.

Die Ansichten und Lebenseinstellung von Anna und ihre Gabe zur Selbstreflexion sind sehr ungewöhnlich für einen Menschen ihren Alters. Wie die 24 jährige über ihren bisherigen Werdegang und ihre Zukunftspläne sprach, hatte etwas sehr Reifes und ich staunte über ihre Weisheit, die kein bisschen altklug ist.

Darum habe ich sie gebeten, uns etwas über ihre Einstellung zu sich und ihrem Leben zu schreiben. Woher hat eine so junge Frau ein so gesundes Selbstvertrauen?

Meine Kamera hatte ich zufälligerweise auch dabei, und obwohl sie wegen der Jugendmedientage etwas übernächtigt war, willigte sie sofort für eine kurze Fotosession ein und es gelang mir, ihr wunderbares Lachen und ihre Lebensfreude einzufangen!

"Ich glaube sehr wohl, dass meine Arbeit als Journalistin auch mit meinem Selbstvertrauen zu tun hat: Wenn du dich selbstständig in die unterschiedlichsten Situationen begeben musst, musst du als Individuum gut funktionieren. Du musst wissen, wer du bist, oder zumindest ahnen, wie du da hinkommst.

Allerdings müssen junge Frauen punkto Selbstbild ganz schön viel Arbeit leisten, um nicht irgendwo im Sumpf zu landen. Wogegen ich fröhlich (wenn auch gleichzeitig verärgert) ankämpfe, indem ich mich bewusst schön finde, in möglichst jedem erdenklichen Zustand, und mir dabei Mühe gebe, nicht von Komplimenten oder Vergleichen abhängig zu sein. Ich will nicht andere Frauen runtermachen, um mich selber gut zu fühlen, und ich will mich nicht von anderen bewerten zu lassen, um als hübsch durchzugehen.

Viel, was ich zum Schönsein sagen will, hat frau schon hundertmal gehört. Akzeptier dich selbst. Schönheit ist subjektiv. Kümmere dich nicht um die Meinung der anderen. – Was diese Sprüche verheimlichen, ist das riesige System, das aus dem Sich-unschön-Fühlen Geld macht und Millionen investiert, uns einzureden, etwas laufe falsch mit unserem Aussehen. Kein Kalenderspruch und keine Weisheit aus dem Freundschaftsbüechli hat mir je beigebracht, wie ich gegen Fremde ankämpfe, die mir auf der Strasse sexistischen Kack nachrufen, und niemand bereitete mich darauf vor, dass ich meinen Bauch – der ist so in etwa durchschnittlich mittelschlank – auf keinem öffentlichen Foto, sondern höchstens im Museum repräsentiert sehe. Darum ist es so anstrengend, sich selbst schönzufinden: Wir sind uns unsere Körper nicht gewohnt. Ich steh immer noch oft vor dem Spiegel und denke, hä, das sieht doch alles gspässig aus. Der Trick besteht wohl darin, mich daran zu gewöhnen, was ich sehe. Meinen Körper – mich selbst! – ausserdem auch unabhängig vom Aussehen zu schätzen. Ich will mich an die Vorstellung gewöhnen, dass mich andere unschön finden können; das muss nicht relevant sein für mich. Auf diese Weise (und mit viel Unterstützung moderner feministischer Literatur) gelange ich zur Freiheit, mein Äusseres so zu gestalten, wie es mir passt.
"

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Wer mehr von Anna Rosenwasser lesen möchte, kann das hier tun.

Wir jedenfalls verlassen uns fest darauf, künftig noch so einiges von Anna zu sehen und zu lesen!

Anna, Tribute liebt Dich!

 

kafi freitag