Zwiegespräch mit meinem inneren Angsthasen.

Wir alle kennen ihn. Den inneren Angsthasen. Er begegnet uns immer wieder in unterschiedlichen Kleidern und Formen. Manchmal ist er gross und seine Ohren drohend, manchmal klein und rosa. Er gehört zu uns, auch wenn wir das eigentlich nicht möchten. Weil er uns manchmal klein und handlungsunfähig macht, feige und klamm.

Wenn er sich uns in den Weg stellt, weichen wir gerne zurück und lassen uns von ihm einschüchtern. Wie viel wir wegen ihm aufgeben oder gar nicht erst anfangen, kann jede nur für sich selber beantworten.

Als die 68 jährige Designerin Diane von Fürstenberg, deren Mutter eine Überlebende des Holocaust war, kürzlich gefragt wurde, was der beste Rat ihres Leben ist, sagte sie: "Angst ist nie eine Lösung."

Aber was kann man tun, wenn einem der lästige Hase im Nacken sitzt und einem den Weg zu etwas versperrt, was man eigentlich tun oder erreichen möchte? Ihn verdrängen oder ignorieren funktioniert vielleicht kurzfristig. Denn dieser Hase ist manchmal ein ganz schön fieses Tierchen, und anhänglich ist es auch.

Um die Psyche dieses verbreiteten Haustiers zu verstehen, muss man zuerst einmal realisieren, dass dessen Anwesenheit etwas vollkommen Gesundes ist. Ein normales Mass an Schiss und Respekt schützt und vor allzu grossen Dummheiten und sorgt dafür, dass wir möglichst nicht in gefährliche Situationen schlittern. Wenn wir diesen Bammel nicht hätten, wäre unsere Lebenserwartung vermutlich halb so lang und unser Schutzengel burnoutgefährdet.

Erst dann, wenn uns der Angsthase im Alltag einschränkt und uns nicht weiterentwickeln lässt, wird er uns lästig. Davor ist er ein wahrer Segen und wir sollten dankbar sein, dass er uns so treu begleitet.

Dennoch kennen wir alle die alltäglichen Situationen, wo man sich etwas nicht getraut, nicht zugetraut hat. Man hätte es eigentlich schon gerne, ABER... Der Hase war dann eben doch stärker und so hat man klein beigegeben und ist mit ihm am Händli wieder heimgehoppelt.

Warum den Hasen nicht einmal an den Ohren packen und ihn fragen, was er eigentlich genau im Schilde führt? Ein innerer Dialog mit seinem eigenen Angsthasen kann manchmal Wunder bewirken! Wenn man ihn einmal "reden" lässt und ihm gedanklich eine Form verleiht (die Ohren sind eigentlich gar nicht so lang, sehe ich gerade) und eine Farbe (jesses, der ist ja Rosa, ist ja eigentlich noch ganz härzig...), dann kann er nämlich ganz handzahm werden und manchmal verrät er einem sogar seine ganz persönliche Mission. Denn fast jeder Hase hat eine Mission und die ist in der Regel gut gemeint. Sobald man diese kennt, wird der eigene Angsthase kooperativ und so manch einer lässt sich sogar für eine Weile mal in die Ferien schicken.

Wer seinen eigenen Angsthasen kennt und einen freundschaftlichen Kontakt zu ihm pflegt, wird bald wissen, wo man ihn kraulen muss, damit er nachgiebig wird. Viele Hasen haben ein buchstäbliches Elefantenhirn und sie präsentieren einem noch Jahre später minutiös alle Fettnäpfchen, in die man getreten ist. Da kann es dann schon mal sinnvoll sein, dass man den Hasen erklärt, dass das gar nicht so schlimm ist und auch zu einem spannenden Leben dazugehört. Frei nach dem Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!"

Wie Sie vielleicht wissen, verbietet es das Schweizerische Tierschutzgesetz, einen Nager allein zu halten. Dementsprechend wäre es vielleicht sinnvoll, dem Angsthasen einen Freund zur Seite zu stellen, der ihm ab und an Paroli bietet. Warum nicht einfach ein freches Streifenhörnchen einziehen lassen, dass sich all die mutigen Aktionen und Erfolge merkt, die man in seinem Leben schon verbucht hat?

Wenn man sich einmal etwas Zeit nimmt und all die stärksten Momente nochmals Revue passieren lässt, in denen man etwas gewagt hat und dafür dann auch (in irgendeiner Form) belohnt wurde), dann stärkt dies unser Vertrauen in den eigenen Mut. Das Sammeln solcher erinnerten "Trophäen" macht uns stark und lässt uns beherzter Dinge ausprobieren, die uns etwas Überwindung kosten.

Bieten wir unserem inneren Angsthasen die Stirn!