Wie ein Mädchen...

Momentan schwirren im Netz sehr viele Youtube-Filmli herum, die Frauenthemen aufnehmen. Dove ist damit gestartet, dann ist Pantene nachgezogen und nun Always. In diesen Filmen, die dafür konzipiert wurden, sich möglichst viral zu verbreiten, geht es immer darum, dass Frauen sich kleiner, hässlicher, langsamer, doofer machen, als sie sind.

Die Message ist dann jeweils: Fühl dich gut! Fühl dich stark! Und daran ist ja auch gar nichts auszusetzen. Denn das sollten wir ja tatsächlich tun, uns gut und stark fühlen.

Und dennoch machen uns diese Webebotschaften der letzten Tage auch nachdenklich. Und zwar in diesem Sinne, dass die Unsicherheit der Frauen für die Webeangenturen ein ganz grosses Business zu sein scheint. Jedes Produkt, das im entferntesten mit Frauen zu tun hat, könnte demnächst in dieser Form beworben werden. Vermutlich kann die Branche den Value unserer Unsicherheit bereits in Zahlen umrechnen. Und diese scheint, der grossen Beliebtheit solcher Spots nach, sehr gross zu sein.

Wir denken, dass es den Multis hinter den Produkten eigentlich schnurzegal ist, ob wir uns nun gross oder klein fühlen. Denen geht es einfach nur um den Absatz eines Produkts und darum, dass eine Werbekampagne funktioniert. Und das kann wiederum uns herzlich egal sein. Denn wenn diese vermutlich von A bis Z durchinszenierten Spots eine positive Wirkung auf unser Selbstbild haben, dann haben beide Seiten gewonnen. Aber was, wenn das gar nicht das Ziel ist? Was, wenn konkret dieser Spot uns sagen will, wie Mädchen eigentlich rennen?

Wir sollten all diese viralen Geschichten sehr genau anschauen und uns fragen, ob die Message unter der glatten Oberfläche nicht eigentlich eine negative ist. Anstatt alles blind weiter zu verbreiten, was irgendwie nach "Ihr seid super" ausschaut, sollte man einen Moment damit verbringen herauszufinden, was der langfristige Nutzen der Kampagne für den Hersteller ist.

Natürlich ist die mit wunderbarer Musik unterlegte Sequenz vordergründig dafür gedacht, uns zu sagen, dass nichts Negatives daran ist, wie ein Mädchen rennt. Oder überhaupt "wie ein Mädchen". Aber gleichzeitig zementiert er auch genau diese angebliche Ausgangsituation. Denn für uns war "wie ein Mädchen" davor nicht negativ konnotiert. Der Film sagt uns aber, dass es eigentlich so ist.

Darum möchten wir es nochmals hervorheben und Euch zum Nachdenken mitgeben:

Unsere Unsicherheit ist ein Milliardengeschäft. Und ein Milliardengeschäft will man nicht so schnell wieder verlieren.

 

sara satir & kafi freitag