Wir Frauen sind gschpässige Wesen...

Allerdings.

Wir Frauen haben ja sicherlich einige ­aussergewöhnliche Talente. Wir können nicht nur gleichzeitig telefonieren, fernsehn und den Haushalt schmeissen, sondern auch unsere Optik in sekundenschnelle kolossal verändern. (Und ich meine jetzt nicht, dass wir unser Äusseres blitzschnell umstylen können, sondern die Sehschärfe unserer Augen!)

Ich weiss ja nicht, wie das medizinisch oder biologisch zu erklären ist, aber wir haben die grosse Fähigkeit, bei unseren Freundinnen oder insgesamt anderen Frauen einen weichzeichnenden Blick aufzulegen, während wir uns selber kurz danach wieder knallhart und stark konturiert sehen. So als würde man einen High-Dinamic-Range-Filter übers Auge legen, der jede noch so kleine Unebenheit kaltblütig betont. Und dann wieder einen Hamilton-Filter mit Vaseline auf dem Auge, wenn's um die Betrachtung anderer geht.

Mit dieser unglaublichen Serienausstattung fällt es uns schampar leicht, die gleichen Makel an der Freundin als charmant und bei uns selber als unausstehlich zu sehen. Die Beine der anderen sind IMMER schlanker und die Haare immer glänzender. Es ist wirklich ein Phänomen.

Sollten wir nicht anfangen, uns selber auch einmal mit diesem liebevollen Blick anzuschauen? Sollten wir den gemeinen Filter nicht durch den schmeichelhaften ersetzen und aufhören, uns selber immerfort mit anderen zu vergleichen? Wäre es nicht endlich an der Zeit, nicht immer nur die eigenen Defizite wie durch ein ­Vergösserungsglas zu betrachten, sondern die Schoggiseiten zu füttern?

Dove hat bereits vor einiger Zeit ein Experiment gestartet, mit einem Phantombildzeichner, der Frauen jeweils nach der eigenen Beschreibung und dann nach der Beschreibung einer fremden Person gezeichnet hat. Die Porträts, auf denen die Frauen von ­aussen beschrieben wurden, waren immer stimmiger und wohlwollender.

Natürlich ist das Ganze nur eine verdammt geschickte Marketingstrategie, um uns Frauen an ein Produkt zu binden. Aber jetzt ist Pantene ein Wurf gelungen, der uns alle nachdenklich machen sollte. Diesmal steht unser Talent, uns immer kleiner zu machen und zu entschuldigen im Vordergrund.

Ja, wir Frauen haben wirklich viele aussergewöhnliche Talente. Nur zu schade, dass sich so viele davon gegen uns selber richten ...

sara satir & kafi freitag