Andrea

Diese Frau! Mit dem silbrigen Haar und dem knallroten Lippenstift! Diese Grazie! Ich muss sie haben, ich will ein Bild von ihr, gopf! Ich, auf dem Rad am Fussgängerstreifen, sie braust an mir vorbei. Ich kehre um und fahre auf dem Trottoir wie eine Gepickte und schneide ihr weiter vorne den Weg ab. Atemlos schon fast, weil null Kondition, weil null Sport. Jä nu!  Winkend lotse ich sie an den Strassenrand. Sie ist von Nahem noch schöner! Sie leuchtet regelrecht. Das rot! Das Silber! Diese Anmut. Wow.

Andrea heisst sie. Und sagt von sich selber, dass sie nicht fotogen ist. Was ich, wenn ich durch die Linse schaue, nicht glauben kann. Und was sich auch später zu Hause vor dem Bildschirm nicht bestätigt. Ihr Leuchten kommt auch auf den Bildern rüber. Und ihre Anmut auch.

Als ich sie frage, was ihr an sich selber besonders gut gefällt, überlegt sie eine Weile. Und antwortet dann: Humor! Zum schön sein braucht es Humor. Und überhaupt sei Schönheit eine Entscheidung.

"Eines Tages sagt man sich, ich bin jetzt schön. Und dann ist man es auch. Natürlich braucht man dazu auch Mut zur Hässlichkeit. Und eben Humor. Ich habe entschieden, mich selber schön zu finden. Es ist wirklich eine Entscheidung. Auch wenn man in der Schule noch ein Mauerblümchen war."

Was für ein Statement, was für eine Haltung! Als ich sie fragte, ob ich ihr die Bilder schicken soll, hat sie abgewunken. Weil - sie sei ja eben gar nicht fotogen ...

Das sehen wir zwar anders. Aber wie dem auch sei: Tribute liebt Andrea!

kafi freitag